Samstag, 17. September 2022
17 Tage Drogenparty


Um 12 Uhr hat die "Wiesn" begonnen. Viele Besucher waren schon vor dem Ausschank der ersten Maß besoffen. Immerhin wird auf Polyesterdirndl und -lederhosen gekotzt. Kein Verlust.

Anfahrt (MVV) nur mit Maske. In die dumpfigen Zelte dann ohne, zum "Layla"-Grölen.

Seit dem Attentat 1980 ist für mich das Oktoberfest kein Thema mehr. Ich feiere erst dessen Ende am 4. Oktober. Und wer mir vor die Haustüre reihert, muss mit einem Eimer sehr kalten Wassers aus großer Höhe rechnen.



Montag, 18. Juli 2022
Transgedöns auf dem CSD in München


Abends auf dem Marienplatz, Musik wummert, leicht bekleidete Menschen aller Geschlechter tanzen.

Ich will ja eigentlich nur nach Hause und bin kleidungsmäßig als Hetero geoutet.

Plötzlich bauen sich zwei Personen mit unübersehbar männlichen Geschlechtsmerkmalen und sehr knapper (weiblicher?) Bekleidung vor mir auf und brüllen mir ins Gesicht: Transfrauen sind Frauen!

Ich muss wohl etwas verloren geguckt haben, da drehen sich zwei Frauen mit Lesbenfahne nach mir um, lächeln mich an und sagen: "Typisch Mann halt!"

Jetzt müssen wir alle lachen, und ich unterhalte mich ein wenig mit den beiden, die zum Thema "Trans" eine eigene Meinung haben.

Nun ja, Hauptsache Spaß.



Donnerstag, 17. Februar 2022
60 Prozent Mieterhöhung
Ein Bekannter von mir führt seit über 30 Jahren ein freundliches Lokal. Billig war seine Miete schon lange nicht mehr, aber er hat auch während der Pandemie immer pünktlich bezahlt. Nun ist er gerade am Umbauen. Und bekommt eine Mieterhöhung von 60%. Trotz vorher anderslautender mündlicher Zusagen.

Völlig unmöglich zu stemmen, und aufgrund der bereits eingeleiteten Bauarbeiten der komplette Ruin.

Wer diese Existenzvernichtung betreibt?

"Unsere Werbebotschaften haben sich in den letzten zwei Jahren verändert. Wir wollen uns stärker als Institutsgruppe positionieren, die den Menschen dabei hilft, das Leben einfacher zu gestalten. Diese Botschaft steht für uns aktuell im Vordergrund."



Mittwoch, 3. November 2021
Zwei Millionen Euro


Am Freitag rief das "noble" Immobilienbüro wieder an. Sie hätten einen Käufer für meine Wohnung, der "eins-sieben" zahlen würde.

Man kann Leute, die einem 1,7 Mio Euro bieten, nicht einfach wegdrücken.

Ich denke darüber nach, sage ich. Bis Montag sagt er, es eilt. Montag ist Feiertag, sage ich. Achso, dann bitte Dienstag. Gut.

Am Samstag war ich lange spazieren und nachdenken. Mein Umfeld sagt, natürlich "musst" du verkaufen, so ein Angebot gibt es nicht wieder. Der Makler hatte das auch gesagt. Allerdings schon, als er "eins-drei" bot.

Wenn ich verkaufe, brauche ich eine neue Bleibe. Ich könnte mieten und viel Geld haben (wozu?), das in der Inflation und durch Mietzahlungen zusammenschmilzt oder kaufen.

Ich gucke also, was es gibt. Was mir gefällt (s.o.) ist unverkäuflich oder kostet Mondpreise. Was mir nicht gefällt, kostet fast soviel wie meine Wohnung.

Und das wenige, was meine Wohnung adäquat ersetzen könnte, kostet mehr.

Kaufen in München? Vergessen! Schon halte ich den Preis für meine Wohnung nicht mehr für absurd.

Sicher, in Italien - nicht an den bayrischen Seen - bekomme ich dafür eine Villa. Brauche ich eine Villa? Ein tolles Urlaubshotel tut es auch.

Ich spaziere durch das Herbstlaub, und am Abend ist es entschieden. Ich verkaufe nicht. Natürlich könnte der Wert in Zukunft fallen. Aber in der 1A-Altstadtlage kaum. Es gibt zuviel Geld und zuwenig Angebot. Selbst wenn, auch egal. Es bleibt immer mehr als genug, um in Würde bis zum Ende zu leben. Und mehr bedarfs nicht.

Am Dienstag will ich anrufen, aber er kommt mir zuvor. Nassforsches Gutelaunesprech: "Wann können wir den Kaufvertrag abschließen?" Gar nicht, sage ich. Gefühlte 20 Sekunden Stille, dann ein gequältes: "Ich rede noch mal mit dem Kunden."

Bevor ich sagen kann, bemühen Sie sich nicht, hat er schon aufgelegt.

Zwei Stunden später ist er wieder dran: Ich habe fantastische Nachrichten für Sie, der Kunde bietet Ihnen "zwo". Das ist jetzt aber wirklich das allerletzte Angebot.

Wunderbar sage ich, wenn das so ist, brauchen Sie ja nun nicht mehr anzurufen.

Es gibt jetzt möglicherweise in München einen Makler, der die Welt nicht mehr versteht. Und ein paar Leute, die mich von nun an für verrückt halten.



Sonntag, 31. Oktober 2021
Oktober in Grüngold


Unten an der Isar und im Englischen Garten war heute alles versammelt, was sich nicht in Staukolonnen in die föhnigen Berge aufgemacht hat.

Doch das Isarhochufer ist auch am Sonntag erstaunlich ruhig.

Morgen soll es grau werden.



Montag, 19. Juli 2021
Isardonnern


Es wäre schon besser, wenn es in den Alpen nicht mehr regnete. Kommt nämlich alles hier vorbei.



Dienstag, 1. Juni 2021
Abendstille im Finanzgarten


Der kleine Nachbar des Münchner Hofgartens heißt wirklich so. Nachdem der Mai so kühl und nass war (und der April nicht minder), gilt es nun, bei perfektem Wetter etwas Frühling nachzuholen.

Es ist still hier. Nur neben der Bank, auf der ich sitze und dieses Foto schieße, türmt sich der Abfall: Starbucks-Pappbecher und Pizzaschachteln.

Dafür singt eine Amsel hingebungsvoll.



Sonntag, 11. April 2021
Abendspaziergang


Auf dem Rasen der Kirche St. Nikolai am Gasteig picknicken junge Leute. Gezeigt wird das Idyll, nicht die Pizzaschachteln, die sich neben den Abfallkörben türmen.

Morgen soll es wieder schneien. Die Magnolien werden erfrieren.



Mittwoch, 24. Februar 2021
Frühling im Februar


Durch die FFP2-Maske weht es lind. 17 Grad, strahlend-blauer Himmel, der erste Aperol Sprizz unter der warmen Sonne auf dem Viktualienmarkt... ach nein, ist noch verboten.

In gut zwei Monaten kommen die Mauersegler. Ich hoffe, die frisch renovierte Wohnung gefällt ihnen. Sie bleibt mietfrei.



Samstag, 26. September 2020
40 Jahre später


Die Bilder sind noch immer da. Wir waren eines der ersten Rettungsfahrzeuge vor Ort. Ein junger Zivildienstleistender, der mitten hinein geworfen wurde in den Terror. Tote Menschen, blutende Menschen, schreiende Menschen, blöde mit Bierkrügen dreinguckende Menschen, die nicht in der Lage waren zu verstehen, was passiert war.

Rechter Terror, der keiner sein durfte. Am Morgen klingelte der Staatsschutz Sturm, um einem völlig erschöpften jungen Mann einzuschärfen, er möge gefälligst die Klappe halten, sonst...

Trotzdem ist Strauss nicht Kanzler geworden.

Heute genau vor 40 Jahren war das, als eine unbeschwerte Jugend endete.