Donnerstag, 21. Mai 2020
Social Distancing im Biergarten


Das mit den einen Meter fünfzig üben wir noch, aber die Luxusdirndl müssen ja auch mal an die frische Luft.

Edit: Nach Einwänden das Ausschnittfoto durch das datenschutzunbedenkliche Originalfoto ersetzt.



Dienstag, 21. April 2020
Das Wohnen der Anderen


Ich will mich ja nicht beklagen, aber so direkt am Englischen Garten wohnen... nur einen Euro-Jackpot entfernt.



Oktoberfest fällt aus


Abgeheftet unter der Rubrik: Es ist nicht alles schlecht... und beim Foto war ich noch nett.

Für alle, die das anders sehen: Homekotzing™ (Stand heute kein Treffer bei Google) wird der neue Trend. Diesmal eben nicht vor meiner Haustür, danke sehr.

Und falls jetzt verwundert, warum dieser Eintrag schon vor der offiziellen Verkündigung durch Söder und Reiter online geht: Manche wissen halt mehr oder können einfach bis drei zählen.

PS: Jetzt ist es auch offiziell. Nein! Doch! Oh!

Und für alle Gesinnungsfreunde: Mein Oktoberfestlieblingssketch von Gerhart Polt. Unbedingt ansehen!



Donnerstag, 16. April 2020
Wie spät ist es?


Und vor allem: warum?

Die Auflösung des Rätsels:

„In Bayern gehen die Uhren anders“ (Willy Brandt)

Im Turm des Isartors ist das "Musäum" des Querdenkers Karl Valentin untergebracht.

Die römischen Ziffern der dem Tal zugewandten rückwärtigen Uhr sind verkehrt herum angeordnet, so dass ein Ablesen der Zeit ein kurzes, intensives Umdenken erfordert. Womit München wohl über die einzige Turmuhr europaweit verfügt, die rückwärts läuft.

Also, wie spät war es?



Sonntag, 12. April 2020
Social Distancing im 18. Jahrhundert



Freitag, 10. April 2020
Katholische Leere


Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage der Katholischen Kirche. Noch heute setzt sie in Bayern an diesem Tag ein striktes Musik- und Tanzverbot durch. Ein Lokal, in dem heute Musik gespielt wird, und sei es Bachs Mätthäuspassion, muss mit 500 Euro Strafe rechnen, die das KVR gerne verhängt.

Zumindest diese Gefahr besteht dieses Jahr nicht, denn die Lokale sind zu. Und die Kirchen?

Ich will es wissen, und so gehe ich am sonnigen Mittag auf einen Rundgang zu den fünf schönsten Kirchen Münchens. Die Altstadt ist klein, die Wege kurz.

In der Fußgängerzone Kaufingerstraße das vertraute Bild: Ein paar Spaziergänger, Mütter (und auch Väter), aber selten Ehepaare, sind mit ihren Kleinkindern unterwegs. Die Knirpse kurven mit ihren kleinen Fahrrädern umher, alle mit buntem Helm auf dem Kopf. Sie verstehen noch nichts, freuen sich einfach über den vielen Platz, glucksen, quietschen, lachen. Ein Stück Normalität angesichts des traurigen Anblicks leerer Spielplätze. Ein Polizeiauto fährt langsam und fast geräuschlos durch die Fußgängerzone. Ich werde es noch fünfmal sehen.

Ich biege ab in die Liebfrauenstraße und dann stehe ich vor dem Dom. Die Frontfassade ist eingerüstet, renoviert wird hier seit Jahren. Eintritt durch das südliche Seitenportal. Die steinerne Kälte, im Sommer so angenehm, jetzt aber noch ein Winterhauch, umfängt mich. Ich war lange nicht mehr hier. Und eines werde ich wohl nie mehr sehen: Einen völlig leeren Frauendom. Kein Mensch ist hier, es ist totenstill. Die Weihwasserbecken sind leer, Schilder erklären warum und erteilen die längst vertrauten Mahnungen.

Die Frauenkirche ist eine der beiden größten Hallenkirchen überhaupt und eine der drei größten Backsteinkirchen nördlich der Alpen. 20.000 stehende Menschen könnten hier Platz finden. Jetzt stehe nur ich hier.

War der Frauendom je an einem Karfreitag menschenleer? Am 7. Januar 1945 hatte ein Bombenangriff den Liebfrauendom weitgehend zerstört, an Ostergottesdienste war 1945 nicht zu denken, sie fanden aber in weniger betroffenen Kirchen statt, obwohl die Amerikaner bereits einen Monat später in München einrückten.

Heute ist nichts zerstört. Das monumentale Kruzifix am Übergang vom Hauptschiff zum Chor ist, wie das an Karfreitag üblich ist, mit einem großen violetten Tuch verhüllt.

Mir steht nicht mehr der Sinn nach kunsthistorischen Entdeckungen, ich nehme Platz auf einer Bank und versinke ein wenig in Gedanken. Nach einigen Minuten hallen plötzlich Schritte. Ein blau livrierter Mann tritt auf mich zu. „Wir schließen jetzt.“ Es klingt fast barsch.

Der Dom schließt am Karfreitag, um 13.30 Uhr.

„Von der sechsten Stunde an war Finsternis über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,45–56).

Heute weist die Kirche in den schwersten Stunden ihres Heilands Menschen aus dem Gotteshaus. Den einzigen, der zu dieser Zeit hier ist. Dass es kein gläubiger Mensch war, konnte sie nicht wissen.

Seltsame Zeiten sind das.



Dienstag, 7. April 2020
Stadtpalast München





Montag, 6. April 2020
April ist der grausamste Monat


(Dianatempel im Hofgarten)

Seit vielen Jahren pflege ich ein Ritual. Mit oder ohne charmante Begleitung (lieber mit) gehe ich am ersten schönen Apriltag in den Münchner Hofgarten, um mehr oder weniger leise die ersten Zeilen von T.S. Eliots Gedicht zu deklamieren. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, eine Begleiterin zu finden, die Marie heißt und aus Litauen stammt, "echt deutsch". Aber das kann ja noch werden. Mixing memory and desire...

Eigentlich wollte ich schon am Sonntag gehen, aber die Gefahr, dann von einem Polizisten verscheucht zu werden, war mir zu hoch.

Also heute, immerhin in reizender und kultivierter Begleitung, und das sogar, da nicht zum Haushalt gehörend, eine unter das mit 150 Euro abzustrafende Kontaktverbot fallende. Gut, dass sich kein Hofgartenpolizist findet.

Es ist auch wärmer als am Sonntag, der Wind zupft nicht mehr kühl, sondern streicht fast mediterran-mild übers Gesicht.



(Tambosi am Odeonsplatz)

Der Weg führt zunächst zum Odeonsplatz. Beim Café Tambosi, auf dessen Terrasse der Monaco Franze die ersten Strahlen des Vorfrühlings genoss, geht es hinein, zu den Kolonnaden mit historistischen Fresken, die Heldentaten bayrischer Fürsten, Könige und Kaiser (ja, wir hatten einen!) zeigen.



(Krönung Kaiser Ludwigs des Bayern)

Das "we drank coffee, and talked for an hour" verkneifen wir uns, denn in den Kolonnaden hat nur ein Starbucks auf, und dessen Latte Macchiato im Pappbecher für 4,90 Euro sind nicht nur literarisch eine Zumutung.

Viele Bänke, auch auf den sonnigen Seiten, sind frei, auch der Blick auf den Dianatempel, in dem an lauen Sommerabenden Paare Tango tanzen. Wir gucken in den unglaublich blauen Himmel, stellen fest, dass die Natur im Hofgarten einige Tage Rückstand zum Isarufer hat, schmähen das architektonische Monstrum der Staatskanzlei und spazieren dann weiter zum Finanzgarten.



Kurz vor dem Eingang blüht, wie immer um die Zeit, ein Forsythienstrauch. Im Finanzgarten selbst kaum ein Mensch. Das Verkehrsrauschen aus der Richtung Von-der-Tann-Straße ist merklich leiser als sonst an einem Werktag, und so liefern sich Amsel und Buchfink wahre Gesangsschlachten, in die sich auch noch eine gurrende Taube einmischt.



(Eingang zum Finanzgarten)

Wir sitzen, völlig ungestört von Ordnungshütern und Spaziergängern, auf einer Bank, blicken in zartgrüne Baumwipfel und den noch immer unfassbar blauen Himmel, an dem ein einsames Flugzeug Kondensstreifen zieht. Die Begleiterin zückt das Smartphone und guckt bei Flightradar24 nach: Es kann nur Ryanair auf dem Weg von Dublin nach Athen sein. Man findet halt wirklich alles im Netz. Natürlich auch die Temperatur: 21 Grad.

Summer surprised us...



PS: Habe ein Foto vom 6.April 2007 gefunden. Also gleicher Tag, gleicher Ort. Wie man sieht war die Natur schon ein paar Tage weiter.




Der Seherin Gesicht


Þar kemr inn dimmi
dreki fljúgandi,
naðr fránn neðan
frá Niðafjöllum;
berr sér í fjöðrum
— flýgr völl yfir —
Niðhöggr nái.
Nú man hon sökkvask.

Der düstre Drache
tief drunten fliegt,
die schillernde Schlange,
aus Schluchtendunkel.
Er fliegt übers Feld;
im Fittich trägt
Nidhögg die Toten:
nun versinkt er.

– Völuspá

Am Münchner Rathaus (am westlichen Eck zur Weinstraße) windet sich ein kupferner Lindwurm über dem Erdgeschoss an einem neugotischen Ecktürmchen des Münchner Rathauses hoch. Hier soll er einst aus der Erde gekrochen sein. Er blies seinen giftigen Atem in die Straßen und brachte so die Pest in die Stadt.

Der schwarze Tod kostete in den 1630er Jahren mehr als 7000 Münchnern das Leben.

Die Tauben allerdings kacken drauf, daher das Netz.



Sonntag, 5. April 2020
Dahoam bleim in Balkonien


Weil der Don ja immer nur die hässlichen Seiten Münchens zeigt...
Jedenfalls ein Platz an der Sonne zum Bücherlesen.



PS: Für Menschen mit Platzangst..



PPS: Lesen ohne Balkon