Ein Nobelmakler ruft an


Er möchte mir ein "fantastisches" Angebot unterbreiten. Ein Käufer sei bereit, 1,3 Millionen Euro für meine Wohnung zu bezahlen. Sofort. Sogar ohne Besichtigung.

Oh. Woher kennt der denn meine Wohnung? Das sei doch nicht von Belang, druckst der Makler herum. Wer denn der Käufer sei? Das könne er "natürlich" nicht sagen. Aber auf Wunsch werde Cash bezahlt. (Völlig unnötig, da der Verkauf ohnehin für mich steuerfrei wäre.)

Ich habe einen Verdacht. Vermutlich ist der Heizungsableser der Zuträger. Ich hatte ihm ein Glas Wasser gegeben, und dabei hatte er die ganze Wohnung gesehen und ein Smartphone in der Hand.

Ich habe dann meine gefiederten Untermieter gefragt. Sie sind dagegen.

PS: Das Foto zeigt nicht meine Wohnung. Aber geht schon in die Richtung.




arboretum am 09.07 2020, 12:34  |  Permalink
Ihre gefiederten Untermieter haben recht.

Haben Ihre Nachbarn auch solche Anrufe erhalten, nachdem der Heizungsableser dort war?

1,3 Millionen Euro in bar klingt für mich übrigens sehr nach Geldwäsche.

avantgarde am 09.07 2020, 15:15  |  Permalink
Bei den Nachbarn muss ich mal nachfragen.

Und ja, das klingt sehr nach Geldwäsche. Und ich hätte rein gar nichts davon, höchstens Ärger.

Ich habe die Wohnung vor 30 Jahren gekauft, als sie in einem erbärmlichen Zustand war. Darum war sie auch verblüffend preiswert. Selbst die hohen Zinsen waren gerade noch zu stemmen.

Ich habe viel viel Eigenarbeit reingesteckt, fast alles selbst gemacht, und jetzt ist sie ein echtes Schmuckstück. Was soll ich mit einem Koffer Papier?

Sollte ich wirklich Geld brauchen, die Bank offeriert derzeit 0,8% Zinsen. Eigentlich ist das sogar ein Geschäft.

Die Immobilienpreise in der Münchner Altstadt, in der so gut wie keine hochwertigen Eigentumswohnungen auf dem Markt sind, haben sich in den letzten Monaten kaum bewegt, also auch nicht nach unten. Es ist ja Geld da, es wird viel geerbt.

Es gibt keinen Grund zu verkaufen.

Die Fenster werde ich aber nächstes Jahr machen lassen. Der Schreiner kennt das Problem. Nix Kunststoff, und die Wohnung der Mauersegler bleibt erhalten.

arboretum am 09.07 2020, 15:25  |  Permalink
Wenn die Nachbarn nach dem Besuch des Heizungsablesers auch solche Anrufe bekommen haben, würde ich dessen Firma die Hölle heiß machen und mich außerdem beim Ring Deutscher Makler beschweren und den Verein Haus & Grund informieren.

Diejenigen, die viel erben, erben oft von mehreren Seiten, andere hingegen erben kaum etwas oder sogar nichts, weil keine nennenswerten Summen oder gar Immobilien vorhanden sind. Abgesehen davon geht bei etlichen Senioren das vorhandene Vermögen für die Pflege drauf.

In dem Haus, in dem ich wohne - keine schöne Villa - ist bei einem Wohnungsverkauf Geld gewaschen worden, da bin ich mir ziemlich sicher. Und es wurde bei dem schnellen Wiederverkauf auch noch fett Gewinn gemacht.

avantgarde am 10.07 2020, 16:13  |  Permalink
Offenbar bin ich (bisher) der Einzige.

der imperialist am 10.07 2020, 17:07  |  Permalink
Wie lebt es sich als Euro-Millionärin;-)

avantgarde am 10.07 2020, 21:05  |  Permalink
Wenn ich eine treffe
werde ich sie fragen :-)

arboretum am 12.07 2020, 20:13  |  Permalink
Erstaunlich. Vielleicht ist Ihre Wohnung die Schönste.

Vielleicht stehen die anderen nicht im Telefonbuch.

avantgarde am 12.07 2020, 22:38  |  Permalink
Die Aussicht spielt sicher eine Rolle
Dazu 100 Jahre altes Holzparkett, Stuckdecken, hohe Wände, alte, noch funktionierende Kachellöfen etc.

Aber die übrigen Wohnungen sind inzwischen auch saniert.

Für Münchner Verhältnisse ist das Angebot gar nicht so abwegig. Seit 2012 sind Immobilienpreise in Bestlagen geradezu absurd explodiert.

Gesucht werden daher besonders noch nicht sanierte Wohnungen. Da gibt es aber nicht mehr viele, und in der Regel wohnen Leute mit uralten Mietverträgen drin. Da oft noch die Sperrfrist von 10 Jahren greift, sind diese Mieter praktisch nicht kündbar.

Abfindungen von 100.000 Euro, falls der Mieter auszieht, sind keine Seltenheit.

arboretum am 12.07 2020, 23:46  |  Permalink
Ich weiß, die Preise für Immobilien und Neuvermietungen sind exorbitant.

Das "erstaunlich" bezog sich allerdings darauf, dass die anderen Hausbewohner keinen Anruf bekamen.

avantgarde am 13.07 2020, 14:10  |  Permalink
Wenn, könnte es ja sinnvoll sein, das sukzessive zu tun.

In der Regel sehen Heizungsableser aber nicht die ganze Wohnung, das war eine Ausnahme bei mir.

Es könnte ja ganz amüsant sein, sich auf das Spielchen einzulassen. Verkaufen will im Haus aber niemand.

avantgarde am 14.07 2020, 20:09  |  Permalink
Inzwischen habe ich von berufener Seite die Auskunft bekommen, dass 1,3 Mio. trotz Corona am unteren Ende des Angebots liegt. Es ist verrückt.

Wobei die aufgerufenen Preise derzeit oft nicht realisiert werden können, da die ausländischen Käufer nicht nach München kommen können.

arboretum am 14.07 2020, 21:36  |  Permalink
Bei einem der Verkaufsversuche meines vorherigen Vermieters wollte der auch einmal Nobelmakler zu engagieren. Die hatten sich zunächst aufgrund der Lage dafür interessiert und rückten zu zweit hier an. Sie haben sie aber sehr schnell aussortiert, wahrscheinlich schon, als sie den Hof und das Treppenhaus sahen. Nicht edel genug, zum Glück. Von denen weiß ich aber nun zumindest, dass die Fenster hier aus den 1980ern sind.

Nachbarn haben derzeit dauernd Kaufinteressenten da. Jene Wohnung, bei der Geld gewaschen und Reibach gemacht wurde, steht wieder einmal zum Verkauf, natürlich erneut teurer. Den Nachbarn ist es egal, die ziehen in zehn Tagen zurück in den hohen Norden.

avantgarde am 14.07 2020, 21:46  |  Permalink
Die Maklermasche scheint derzeit zu sein: Verkaufen Sie jetzt, bevor im Herbst die Covid-Insolvenzen anrollen und die Preise sinken.

Verfängt aber nicht. Bei uns im Haus wohnen die einzelnen Eigentümer selbst. Oft schon sehr lang. Keine einzige Wohnung ist vermietet.

Da ist es egal, wie hoch eine Wohnung gerade bewertet wird.

Erst wenn Erbfälle eintreten sollten, käme da was in Bewegung.

arboretum am 14.07 2020, 21:57  |  Permalink
Stimmt, erst bei Erbfällen, es sei denn, es wäre doch ein Umzug in eine Seniorenresidenz oder Pflegeheim nötig.

Vielleicht haben die Eigentümer der Wohnung meiner Nachbarn durch die Pandemie auch Probleme bekommen, die Kreditraten zu bedienen.

P.S. Was macht der Mauerseglernachwuchs? Kurvt er schön ums Haus?

Ich darf gar nicht daran denken, dass sie in etwa zweieinhalb Wochen schon wieder fortziehen.

avantgarde am 14.07 2020, 22:15  |  Permalink
Oh ja die sind gesund und munter. Tatsächlich nur noch zweieinhalb Wochen.

Aber ich habe schon den Mietvertrag für das nächste Jahr ausgestellt. Der Fensterschreiner sorgt dafür, dass ihre Wohnung erhalten bleibt. Ich lasse die Fenster Mitte August machen.

arboretum am 17.07 2020, 17:09  |  Permalink
Hoffentlich kommen sie dann im nächsten Jahr alle gesund wieder.