Soforthilfe Künstler in Bayern?


Vollmundig sagte der Södermarkus am 20. April in seiner Regierungserklärung soloselbständigen Künstlerinnen und Künstlern, die in der Künstlersozialkasse angemeldet sind, Unterstützung zu: tausend Euro pro Monat für insgesamt drei Monate.

"Zeitnah" sollte die Antragsmöglichkeit verfügbar sein. Oh, bis heute ist auf der Homepage des dafür zuständigen Bayerischen Kunstministeriums nichts zu sehen.

Kunstminister Bernd Sibler erklärte nun, die Rahmenbedingungen müssten noch abgestimmt und die Erfassung der Anträge geklärt werden. Es gebe Probleme mit einem Computerprogramm, die müssten gelöst sein, damit es dann schnell losgehen kann. Der Kunstminister hofft, "dass wir spätestens Mitte nächster Woche soweit sind."

Prima: Ist ja nur ein knapper Monat nach der Ankündigung. "Sofort" auf bayrisch. Dann rechnen wir mal (optimistisch) mit einer Bearbeitungszeit von mindestens zwei Wochen, die Auszahlung dürfte nochmal mehrere Wochen dauern. Bekannten von mir, die die reguläre Soforthilfe Mitte März beantragt haben, wurde bis heute kein Geld überwiesen. Schon fast zwei Monate also. Auch die Klavierlehrerin hat bis heute kein Geld bekommen, lediglich eine Zusage.

An der Bedingung, in der Künstlersozialkasse versichert sein zu müssen, wurde (bisher) nichts geändert. Die meisten Künstler bekommen also nichts.

Bayern lässt eben niemanden allein. Wohlgemerkt, der Staat hat vielen dieser Künstler das Arbeiten und Geldverdienen verboten. Die Süddeutsche hat zwar (natürlich hinter Paywall) moniert, dass die Unterscheidung zwischen privaten und betrieblichen Liquiditätsengpässen bei Soloselbständigen abwegig und ungerecht sei, da die Kurzarbeit bei Arbeitnehmern ja auch private Nöte linderte, aber das interessiert Aiwanger nicht. Für den sind Künstler sowieso nur unnütze Fresser.

Und was macht unser Silberkannenkäufer? Moniert in seinen Tweets die Existenz von "leistungslosen Kreativen" und beklatscht eine Kaufprämie für Neuwagen.




arboretum am 07.05 2020, 06:31  |  Permalink
Und die Freischaffenden, die tatsächlich noch ein bisschen verdienen, lässt man auf ihr Honorar warten. Ist unter normalen Umständen schon mies, aber jetzt ist es richtig fies, Rechnungen möglichst lange unbezahlt liegen zu lassen.

An der Bedingung, in der Künstlersozialkasse versichert sein zu müssen, wurde (bisher) nichts geändert. Die meisten Künstler bekommen also nichts.

Ehrlich gesagt, verstehe ich da aber auch jene Künstler nicht. Die jährliche Einkommensgrenze für eine Mitgliedschaft in der KSK ist wirklich sehr niedrig und man zahlt nur die Hälfte der Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung. Für Künstler und Publizisten, die keine Großverdiener sind, lohnt sich das allemal, eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung ist in der Regel teurer, und eine private wird im Alter teuer (außerdem kann man auch über die KSK privat krankenversichert sein).

Wer bislang nichts bekommt, sind übrigens die freien Journalisten. Über die redet aber kaum einer. Dabei sind sie von der Kurzarbeit in Redaktionen heftig betroffen, weil es fast überall sofort einen Auftragsstopp gab und bereits gelieferte Beiträge auf Halde gelegt wurden. Meist wird aber erst nach Veröffentlichung bezahlt. Das müsste man mal einem Bäcker vorschlagen, dass man die Brötchen erst bezahlt, wenn man sie verdaut hat.

avantgarde am 07.05 2020, 15:10  |  Permalink
Die KSK hatte seinerzeit so hohe Hürden aufgestellt, dass jeder, der auch noch ein paar hundert Mark andere Einnahmen hatte, abgelehnt wurde.

Später ergab es dann keinen Sinn mehr, weil man zwar in die Rentenversicherung hätte einbezahlen müssen, aber am Ende nur einen Hungerbetrag damit erwirtschaftet hätte. Ich habe das Geld lieber in die eigene Wohnung gesteckt.

Die KSK lohnt sich nur, wenn man wenig verdient. Warum eine Mitgliedschaft Bedingung für Soforthilfe sein soll, erschließt sich mir nicht. Auch Nichtmitglieder zahlen Steuern.

Wie gesagt, ich beschwere mich nicht für mich. Ich würde das Geld nicht mal nehmen, wenn ich es bekäme. Aber wenn ich sehe, wer mal wieder abgegriffen hat, kommt mir die Galle hoch.

arboretum am 07.05 2020, 15:24  |  Permalink
Die KSK lohnt sich nur, wenn man wenig verdient.

Das würde aber auch bedeuten, dass die, die in der KSK sind, Unterstützung auch besonders nötig haben. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der KSK-Mitglieder lag 2019 bei 17.852 Euro, das war weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens aller gesetzlich Versicherten in dem Jahr.

Doch in den meisten Bundesländern bekommen KSK-Versicherte ohnehin nichts. Künstler und Publizisten werden auf Wohngeld oder Hartz4 verwiesen.

Aber wenn ich sehe, wer mal wieder abgegriffen hat, kommt mir die Galle hoch.

Allerdings. Erst recht, wenn man hört, wer da jetzt am lautesten nach Hilfen schreit.

Und wenn man dann noch bedenkt, dass es die Kulturetats sein werden, die die Kommunen als erstes (noch weiter) zusammenstreichen werden ...

cerises am 07.05 2020, 17:15  |  Permalink
Das zusammenstreichen der Etats
war heute in der Teamsitzung schon Thema.
Kleines Bezirksmuseum, bräuchte dringend eine Orgastelle, kann die sich jetzt abschminken, dafür gibts Geld für neue Autos.

Wirklich, meine Galle färbt sich gerade giftgrün.

avantgarde am 07.05 2020, 17:38  |  Permalink
Auch ich habe und brauche kein Auto.

arboretum am 14.05 2020, 14:00  |  Permalink
Sie können jetzt auch ein Stück vom Kuchen bekommen.

Bayern stockt sein Hilfsprogramm für die Kulturbranche auf 200 Millionen Euro auf.
Profitieren sollen jetzt auch Kulturschaffende, die nicht in der Künstlersozialkasse organisiert sind.


In Hessen soll es jetzt für KSK-Mitglieder auf Antrag Arbeitsstipendien in Höhe von einmalig 2.000 Euro geben. Das Geld wird auch nicht auf Hartz4 angerechnet. In ersten Medienberichten nach der Pressekonferenz von Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn wurden auch freie Journalisten genannt, davon ist jetzt keine Rede mehr, nur noch von "Kunstschaffenden". Dabei trifft die Coronakrise gerade die freien Kulturjournalisten besonders hart. Tja, Leute, Pech gehabt. Vielleicht klappt es, wenn Ihr Euch ein Buchprojekt ausdenkt. Für alle anderen gilt: Gehe zum Amt. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los, ziehe keine 2.000 Euro ein.

avantgarde am 14.05 2020, 17:45  |  Permalink
"Diejenige, die nicht in der Künstlersozialkasse sind, jedoch die Kriterien dafür erfüllen, werden bei den Soforthilfen für Künstler*innen berücksichtigt. Die Hilfen kommen demnach doppelt so vielen Menschen zu Gute."

https://bayern-kreativ.de/aktuelles/corona-erste-hilfe/

Kein Wunder, das es noch kein Antragsformular gibt. Das wird mindestens so kompliziert sein wie das der KSK.


"10.22 Uhr: Wissenschaftsminister Bernd Sibler schließt sich Söder an. Man wolle Perspektiven geben und auf Existenzängste der Kulturschaffen reagieren, verkündet der CSU-Minister. Solo-Selbstständige, die bisher nicht von den Hilfsprogrammen profitiert haben, können nun mit einbezogen werden; entsprechende Anträge stehen bereit."

https://www.tz.de/muenchen/stadt/coronavirus-muenchen-demonstration-eklat-folgen-bus-korso-protest-statement-markus-soeder-minus-13759518.html

Nö, tun sie nicht.

Die Klavierlehrerin hat auch noch kein Geld.

arboretum am 14.05 2020, 18:15  |  Permalink
"Diejenige, die nicht in der Künstlersozialkasse sind, jedoch die Kriterien dafür erfüllen, werden bei den Soforthilfen für Künstler*innen berücksichtigt."

Was aber wieder eine ganze Reihe von Kreativen wie auch Kulturarbeitern ausschließt. Na super.

avantgarde am 14.05 2020, 19:02  |  Permalink
Bis da was kommt sind die alle schon auf HartzIV, und das "Problem" hat sich erledigt.

Kultur ist überschätzt. Fußball reicht doch.

arboretum am 07.05 2020, 14:12  |  Permalink
Und was macht unser Silberkannenkäufer? Moniert in seinen Tweets die Existenz von "leistungslosen Kreativen" und beklatscht eine Kaufprämie für Neuwagen.

Wundert Sie das?

avantgarde am 07.05 2020, 14:42  |  Permalink
Leider längst nicht mehr. Enttäuschend, trotzdem.

cerises am 07.05 2020, 17:13  |  Permalink
Silberkännchenverkäufer?
meinen Sie das Blog von Don A?

Nun ja, in meinem Umfeld ist das Blog bekannt als das "Blog Besorgter Spießbürger" = BBS.

Ich wundere mich immer, über was die sich da sorgen und warum?

Und ich schaue da rein und überfliege die Kommentare, wenn ich wissen will, was der BBS aktuell so denkt und spricht.

Früher fand ich es dort mal schön, etwas snobistisch aber schön und anregend. Das war ungefähr 2008. Ist halt jetzt schon ein Dutzend Jahre später..., wir werden nicht jünger und mit Heiner Müller zu sprechen "10 Deutsche sind dümmer als 1 Deutscher". Leider.

Und ich 'abe gar kein Auto.
Also werde ich auch keines kaufen wollen und auch die Idee vom Geld für neue Karre ist genauso wieder ein Spießbürgerluxusproblem, das uns nirgendwo hin bringen wird, ausser mehr in die Kreide.

avantgarde am 07.05 2020, 17:32  |  Permalink
Inzwischen geht es leider schon in Richtung BBRS (Blog besorgter reaktionärer Spießbürger).

Die Artikel in der Welt sind ohnehin hinter Paywall. Wohl auch besser so.

schlotte am 07.05 2020, 18:12  |  Permalink
Ich lese bei BBRS - oder wie auch immer man es nun nennen mag - seit ungefähr 2004 wirklich so gut wie alle Beiträge, aber mittlerweile... nun ja. Am ärgsten finde ich mittlerweile die ganzen Kommentatoren, die sich da auch oft beleidigend so dumm rumzoffen wegen Pillepallekram und sich gar nicht mehr einkriegen.

avantgarde am 07.05 2020, 18:19  |  Permalink
Seit dieser Zeit lese ich da auch. Eine Weile lang war das Ding ja so gut wie tot.

Man macht sich als Kunstfigur aber in der Springerpresse schnell unbeliebt. Dann ist Schluss mit lustig.

Also schön mit den Springerwölfen heulen, die sich die Kunstfigur als Hofnarren hält. Noch.

arboretum am 07.05 2020, 19:13  |  Permalink
Ich hatte da auch von Anfang an gelesen, lange Zeit nur still. Irgendwann fing ich an zu kommentieren, 2007 traf ich Don sogar einmal in Leipzig. Er überraschte mich mit einem Mitbringsel, die legendären Trüffel. Wir haben einen langen Nachmittag bis zum Abend nett verplaudert.

Der Niedergang von "Rebellen ohne Markt" begann meines Erachtens mit dem Auftreten des FAZ-Kommentariats, zumal er es leider versäumte, da den ein oder anderen auch mal in die Schranken zu weisen, wenn dessen Töne gar zu schrill wurden. Mehr und mehr andere Blogger blieben weg, zuerst die Frauen - kein Wunder, bei den oft misogynen Tönen seiner FAZ-Fanboys. Die schrillen Töne schienen auf Don abzufärben, so manches durchaus berechtigtes und kluges Argument ging da fast schon unter. Ich pausierte immer einmal und schaute zwischendurch oft nur noch wegen der Kommentare der wenigen alten Wohnzimmergäste vorbei. Die Twitter-Fehden gewannen immer mehr an Raum und Bedeutung, er witterte überall Machenschaften und Verschwörungen, das wirkte mitunter beinahe paranoid. Als ich ihn bei seinem Wechsel zur "Welt" mal augenzwinkernd an seine früheren Äußerungen über die Springerpresse und Ulf Poschardt erinnerte und daran, dass er früher mal meinte, man müsse sämtliche Honorar von denen an Frauenhäuser spenden, unterstellte er mir allerlei, drohte mir und löschte meinen letzten Kommentar. Ich fand es ziemlich albern, souveräner wäre es gewesen, gleich offen und ehrlich damit umzugehen, dass er die Springerpresse früher doof fand, und dann zu begründen, warum er trotzdem dorthin wechselt.

schlotte am 07.05 2020, 20:23  |  Permalink
Ach wäre er doch bei den Torten geblieben.

fritz_ am 07.05 2020, 20:33  |  Permalink
Uh, avantgardistisches Nachtreten, sehr hübsch.

"Jemand ist nicht meiner Meinung von 2004, das muss ein Unmensch sein. Ich weiß es zwar besser, aber pst, dann löst sich mein Argument in Luft auf."

Ach, eins noch. Beste Arboretum, Sie kennen sich ja mit toten Blogs auf blogger.de et al. aus. Haben Sie nach einem Jahr Bedenkzeit mal Ihre an der Realität gescheiterten Ansichten rekapituliert zu Relotius&friends oder Ihre Ergebenheitsadressen Wutausbrüche und Unterstellungen (s.o.) im Fakeblog der gemütskranken Frau?

Die einzige, die dort nicht gelogen hat oder drauf reinfiel, war getaggt mit "Denunziation, Drohbriefe, Lügen, Verschwörungstheorien" und Sie, arboretum, haben lustig mitgemobbt, "Der größte Lump im ganzen Land", "schlechtgefickte Brotspinne", Antwort: "Auf jeden Fall eine Natter."

Seit Jahrzehnten nix über die eigene Person hinzugelernt, keine geistige Entwicklung, die nicht von Selbstbeschiss leben würde, aber wenn es denn durchs Leben hilft. Die nächste Selbstverarsche, die nächste Denunziation, die nächste Gehässigkeit, das nächste Nachtreten wartet schon. Siehe oben. Wohlan. Amen. Weitermachen, ihr Blogger und Bloggerähnlichen.

avantgarde am 07.05 2020, 21:12  |  Permalink
Erwähnte Diskussion habe ich nicht verfolgt, doch dass es eine substanzielle ideologische Veränderung der Kunstfigur gegeben hat, dürfte kaum zu bestreiten sein.

Tiefpunkt: Die schamlosen Fotografien der "schwarzen Drogenhändler" im Görli.

Ich persönlich trete niemanden, schon gar nicht nach, und es ist ja gut möglich, dass die Kunstfigur im realen Leben eine sehr umgängliche Person ist. Aber irgendwann muss man sich damit auseinandersetzen, von wem man Beifall bekommt.

Wenn man sich zu den "Stützen der Gesellschaft" zählt, sollte man es nicht nötig haben, der lange so verachteten Springer-Klientel nach dem Mund zu reden.

Ich könnte hier wesentlich schärfer werden, aber ich bin ein höflicher Mensch. Und es gibt noch ein anderes Bayern.