Montag, 20. April 2020
Fliederphantasie in Magenta









Kleiner Augenschmaus


Coronabeiträge stören das ästhetische Empfinden. Daher kurz eine farbenfrohe Zwischenmahlzeit, bevor es mit dem Flieder weitergeht.



Demo an der Feldherrenhalle


Der wunderschöne Spaziergang zu Kirschblüten und Flieder endete unverhofft in einer sehr sehr improvisiert wirkenden Mini-Demo an der Feldherrenhalle.



Mit zwölf Argusaugen von sechs Polizisten bewacht demonstrierten so um die 13 Personen für die Einhaltung von Grundrechten auch in Krisenzeiten, darunter eben auch das Demonstrationsrecht. Konkret wurde z.B. darauf hingewiesen, dass man auch psychisch Kranke nicht besuchen dürfe.

Interessant war auch, welche Auflagen der Demo auferlegt wurden. Abstandsgebot, natürlich, aber auch nie mehr als 20 Personen gleichzeitig. Auch ein Megaphon war nicht erlaubt, denn das "würde Interessenten anlocken".



Einem der Demonstranten kam seine mächtige Stimme zugute, mit der er eindrücklich davor warnte, die 21. Person zu sein. Man möge sich in diesem Falle umgehend entfernen, bis eine Person den Platz verlassen habe.

Tatsächlich sollen Demos an anderen Orten rigoros und teilweise mit Gewalt aufgelöst worden sein. Eine politische Partei stand offenbar nicht hinter den Grundrechtverteidigern.

Letztes Bild zeigt den stimmgewaltigen Herren, der damit mit Sicherheit mindestens zwei Menschen anlockte.




Bayern ist ein Kulturstaat


Jetzt doch eine kurze Unterbrechung der geplanten Flieder-Orgie. Hilft ja nichts.

Markus Söder hat gerade im Bayrischen Landtag verkündet, der bayrische Staat solle, nach dem Beispiel von Baden Württemberg, Künstlern in privaten Nöten (also solche, die keine geschäftlichen Liquiditätsengpässe wie Pachten oder Gehälter haben), für die nächsten drei Monate eine Soforthilfe von jeweils tausend Euro im Monat zu gewähren. Das entspräche in etwa einer Summe von 100 Mio Euro für den Bayrischen Staat.

Na großartig. Das ist im Prinzip weniger als HartzIV mit vorübergehender Übernahme höherer Mietkosten, denn in München sind selbst Einzimmermieten von 600 Euro illusorisch.

Viele Künstler haben aber nicht leichte oder mittlere Einnahmeverluste, sondern derzeit überhaupt keine Einnahmen. Mit 1000 Euro im Monat bezahlt man in der Regel in München gerade mal die Miete. Gut, wegen Nichtzahlung darf man derzeit nicht gekündigt werden, aber damit wird das Problem nur in die Zukunft verschoben. Denn bis Anfang 2022 müssen die Mietrückstände beglichen sein, und das mitten in einer sicher noch tiefen Rezession. Woher sollen diese Menschen das Geld dann nehmen?

Das heißt, wer in einer noch relativ bezahlbaren Wohnung lebt, wird dann rausgeworfen. Eine neue wird man sich noch weniger leisten können.

"Bayern ist ein Kulturstaat", tönt der Söder. Aber bitte nicht über 1000 Euro pro Monat.

Es wäre ehrlicher gewesen, den Menschen zu sagen: Ihr seid uns egal, geht halt Spargel stechen oder Regale einräumen.

Ach ja, und ab nächste Woche Maskenpflicht in allen Geschäften und im ÖPNV. Immerhin, die türkische Änderungsschneiderin um die Ecke wird es freuen.

PS: Ich habe noch nicht mal Steuerstundungen bzw. Herabsetzung der Vorauszahlungen beantragt. Ich hoffe, damit macht man sich in diesen Zeiten nicht verdächtig.

Und frei nach dem Zitat aus "Demolition Man": Ihr könnt eure Soforthilfe nehmen und sie euch stecken.

PPS: "Gedacht ist das Geld für Künstler, Musiker, Schauspieler, Kabarettisten und viele mehr, die in die Künstlersozialkasse einzahlen."

Diese Bedingung wird auch von der Tagesschau bestätigt.

Also schon wieder Einschränkung. Wer da nicht einzahlt, guckt schon wieder in die Röhre.

Wie skandalös der Umgang mit freischaffenden Künstlern bisher war, steht in der Süddeutschen Zeitung.



Der weiße Flieder ziert sich noch ein wenig


Zartlila und Magenta sind dagegen schon fast voll erblüht. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, und wer keinen Flieder mag, kann jetzt ein paar Tage Bloglesepause einlegen :-)